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Personalisierte Tumorforschung an 3D-Kulturen im Rahmen des LOEWE-Zentrums FCI – ein Schritt in Richtung passgenauer Krebstherapie

© Henner Farin

Am Georg-Speyer-Haus in Frankfurt wurde eine „Next Generation Biobank“ etabliert, die zeigt, wie wichtig die umgebenden Zellen für Tumorwachstum sind. Die Ergebnisse wurden nun in Cancer Discovery einem renommierten Fachjournal der American Association for Cancer Research publiziert. 

Das Kolorektale Karzinom (Krebserkrankung am Dickdarm) ist in Deutschland immer noch die zweithäufigste Krebstodesursache. In den letzten Jahren konnte die Krebsforschung die frühzeitige Diagnose und Therapie zwar deutlich verbessern, die Resistenz fortgeschrittener Darmtumore gegenüber gängigen Therapien stellt jedoch immer noch ein großes Problem dar.   Im letzten Jahrzehnt konnten große Fortschritte erzielt werden in der Kultivierung von Organoiden, insbesondere von Darmorganoiden, die man als „Mini-Därme“ in der Petrischale bezeichnen könnte. Sie können aus gesundem Darmgewebe oder aus Darmkrebsbiopsien erzeugt werden und spiegeln die Gewebestrukturen sehr gut wider. Ein Grundgedanke bei Organoiden ist, dass sie sozusagen als „Avatare“ der Betroffenen Patientinnen und Patienten im Labor zur personalisierten Analyse einzelner Tumore genutzt werden können. 

Die nun vorgestellte „Next Generation Biobank“, die im Rahmen des LOEWE-Zentrum Frankfurt Cancer Institute (FCI) und dem deutschen Konsortium für translationale Krebsforschung (DKTK) entstanden ist, hat einen entscheidenden Vorteil: sie rekapituliert nicht nur die Tumorzellen sondern auch das Tumormikromilieu dadurch, dass sie Bindegewebszellen der jeweiligen Patient:innen enthält. „Wir zeigen in unserer Studie, dass die Darmkrebsorganoide, die zusammen mit Bindegewebszellen kultiviert werden, die molekularen und Gewebestrukturen der ursprünglichen Tumoren wesentlich besser darstellen als Organoide, die allein untersucht werden. […].“ erläutert Dr. Henner Farin, Forschungsgruppenleiter und Erstautor der Studie. Prof. Dr. Florian Greten, Direktor des Georg-Speyer-Hauses und Sprecher von LOEWE-FCI, legt dar: „Mit unserer Arbeit haben wir einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung gezielter Krebstherapie gemacht, indem wir zeigen, wie es möglich ist das Tumormikromilieu im Labor nachzubilden. Je besser unser System die Komplexität des Körpers und des Tumors widerspiegelt, desto besser können wir Therapien testen und dabei auch die Zahl an Tierversuchen weiter reduzieren.“

Die Bindegewebszellen waren der erste Schritt, in der weiteren Forschung will das Team auch andere Zelltypen wie Immunzellen mit in das System aufnehmen.     

Publikation: Colorectal cancer organoid-stroma biobank allows subtype-specific assessment of individualized therapy responses Henner F. Farin, Mohammed H. Mosa, Benardina Ndreshkjana, Britta M. Grebbin, Birgit Ritter, Constantin Menche, Kilian B. Kennel, Paul K. Ziegler, Lili Szabó, Julia Bollrath, Dietmar Rieder, Birgitta E. Michels, Alena Kress, Müge Bozlar, Tahmineh Darvishi, Sara Stier, Ivan M. Kur, Katrin Bankov, Rebecca Kesselring, Stefan Fichtner-Feigl, Bernhard Brüne, Thorsten O. Goetze, Salah-Eddin Al-Batran, Christian H. Brandts, Wolf O. Bechstein, Peter J. Wild, Andreas Weigert, Susanne Müller, Stefan Knapp, Zlatko Trajanoski and Florian R. Greten, http://dx.doi.org/10.1158/2159-8290.CD-23-0050

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Florian R. Greten Georg-Speyer-Haus Institut für Tumorbiologie und experimentelle Therapie/Goethe-Universität Frankfurt Tel. +49 (0)69 63395-232 Greten@gsh.uni-frankfurt.de 

Dr. rer. nat. habil. Henner Farin Georg-Speyer-Haus Institut für Tumorbiologie und experimentelle Therapie/Goethe-Universität Frankfurt Tel. +49 (0)69 63395-520 h.farin@georg-speyer-haus.de