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Goethe-Universität veröffentlicht gemeinsam mit europäischen Partnern Perspektiven-Papier – Ivan Đikić, LOEWE-Spitzenprofessor und Sprecher von PROXIDRUGS ist Mitautor

In einem Perspektivenbeitrag in der Fachzeitschrift Molecular Cell hat ein Zusammenschluss von Wissenschaflerinnen und Wissenschaftler führender europäischer Forschungseinrichtungen (darunter die Goethe-Universität Frankfurt, das IRB Barcelona, das AITHYRA in Wien, die Universität von Dundee sowie die EPFL Lausanne) bekannt gegeben, dass sie die Gründung einer Europäischen Allianz zur beschleunigten Entwicklung von Proximitäts-induzierenden Wirkstoffmodalitäten befürworten. Die innovativen therapeutischen Ansätze beruhen auf dem Prinzip, Moleküle gezielt in unmittelbare räumliche Nähe zu bringen, um krankheitsrelevante Proteine zu beeinflussen – darunter viele, die bislang als nicht angreifbar galten.
Proximitäts-induzierende Wirkstoffe wie PROTACs (proteolysis targeting chimeras) oder molekulare Kleber (ein Molekül, das gezielt zwei ansonsten nicht interagierende Proteine – eine schädliche Zielproteinkomponente und ein zelleigenes Protein – zusammenbringt und diese so unschädlich macht) versprechen Fortschritte bei bislang nicht-therapierbaren Krankheiten.In Deutschland treibt der Zukunftscluster PROXIDRUGS, mit Beteiligung von LOEWE-Wissenschaftler:innen unter Leitung der Goethe-Universität Frankfurt, die Entwicklung dieser bahnbrechenden Wirkstoffklasse voran.
Der nun von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern führender europäischer Forschungseinrichtungen veröffentlichte Perspektiven-Artikel skizziert die wissenschaftlichen Durchbrüche der letzten Jahre und zeigt auf, wie KI und maschinelles Lernen die Forschung auf diesem Gebiet beschleunigen und verändern könnten. Die Autor:innen rufen dabei zu einer intensiveren Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Industrie auf.
„In der vorwettbewerblichen Entwicklungsphase können sich akademische Freiheit, methodische Innovation und industrielle Erfahrung gegenseitig ideal stärken“, sagt Ivan Đikić, Sprecher von PROXIDRUGS, Professor an der Goethe-Universität in Frankfurt, seit 2024 Inhaber einer LOEWE-Spitzenprofessur und Mitautor des Artikels. „Hier kann eine Allianz die größte Wirkung entfalten.“
LOEWE-Spitzenprofessur für Ivan Đikić: Wirkstoffe gegen Krebs stehen im Fokus
Prof. Đikić verfolgt in seinem Labor einen vielversprechenden Ansatz zur Entwicklung innovativer und effizienter Arzneimittel. Im Vordergrund der LOEWE-Spitzen-Professur steht die Entwicklung von Wirkstoffen gegen Krebs. Der Fokus richtet sich hier auf sogenannte ProxiDrugs (proximitätsinduzierende Medikamente), die den gezielten Abbau von krankheitsrelevanten Proteinen in der Zelle ermöglichen. Sie eröffnen damit neue Therapieoptionen für eine Vielzahl von Erkrankungen; auch für solche, die bisher als nicht therapierbar galten. Der Proteinabbau in der Zelle wird in erster Linie durch das Ubiquitin-System gesteuert. Darin wird das kleine Protein Ubiquitin in einem genauestens regulierten Prozess an ein anderes Protein geknüpft, welches dadurch für den Abbau markiert wird. Die pharmakologische Umprogrammierung dieser Maschinerie ermöglicht die zielgerichtete Degradierung von unerwünschten, krankheitsrelevanten Proteinen.
Link zum Artikel: https://doi.org/10.1016/j.molcel.2025.07.018